tun wir es doch noch einmal vor Weihnachten. Wir machen noch einen Salon. Aber wir können auf keinen Fall sofort wieder einen Musiksalon machen! Denn sonst verlieren wir wirklich jeden Maßstab. Welch ein Geschenk war das wieder! Von außen glaubt uns sowieso keiner, was wir im Salon erleben. Das war eine Sternstunde für uns alle. Zu dem Konzert kann ich nur sagen, erneut: Atemberaubend . Ansonsten kein Kommentar, denn es IST nicht zu beschreiben. Ich versuche es gar nicht erst.
Für mich war es obendrein sehr persönlich. Als Petr vor vier Jahren bei uns geklingelt hat, auf Zimmersuche, war ich nämlich am Üben, und zwar Stellen aus dem Dvorak Quintett. Damals hat er zu mir gesagt, dass er das draußen vor der Tür gehört hat. Und deshalb unbedingt einziehen wollte. .DESHALB! Wie gut, dass ich mal geübt habe! Er wohnte nämlich damals bei zwei netten Maschinenbauern, die Geige nicht ausstehen konnten… ein Glück für uns! Und vier Jahre später spielt dieser gleiche Petr für mich, für uns, mit seinen vier unglaublichen Kollegen aus der Komischen Oper ausgerechnet dieses Quintett, so, dass die Fetzen fliegen? Wunder eben. Jens Johler ( Der Bach-Roman) fiel im Konzert auf, dass er wohl schon mal mit der Oma der Cellistin aufgetreten ist. Verbindungen. Unser alter Herr Gottfried von Schwechten (so heißt unser Flügel) hat so gut mitgehalten, dass seinem früheren Besitzer Peter Konvitschny die Ohren geklingelt haben müssen. Auch wenn das mehr an Caspar Frantz lag als an dem Flügel . Ein unvergesslicher Abend! Ein Abend mit vielen Bezügen , Geschichten, Geschichte…
Und ein Abend, der (falls Euch das überhaupt aufgefallen ist) alles, was mal Ost oder West oder Kalter Krieg war, nivelliert und in der Musik verschwinden lässt: Ehemaliges Westdeutschland (Caspar Frantz), ehemalige DDR (Rebekka Markowski), USA (Evan Rynes) und Sibirien( Anton Loginov), und der lebende Prager Frühling (Petr Matejak) in schönster Harmonie, in einem Berliner Wohnzimmer, ist das nicht AUCH grandios???
So war es nicht immer. Geschichten, Geschichte. Ein Film . Ein politischer Film, und ein persönlicher. Darum geht es in unserem letzten Salon 2015. Große Geschichte – DDR, Kalter Krieg, Spionage- und die Lebens-Geschichte einer Frau. Keine, die gut ausgeht, denn am Ende steht eine Hinrichtung. Und wieder ein unglaubliches Privileg für uns, denn wir dürfen nicht nur in die Geschichte hineinschauen, sondern auch hinter die Kulissen. Dora Heinze stellt uns ihren Film vor, der das Leben einer Berlinerin nachzeichnet. Mit bestimmt viel Stoff für den Debattiersalon… Auf den Spuren von Elli Barczatis führt Ulrike Folkerts (bekannt als "Tatort"- Kommissarin Lena Odenthal) durch den Film. Goethe wird als moralfreier politischer Beobachter strapaziert , Karl-Marx wird rückwärts auf den Stuhl gesetzt, damit er das unsägliche Treiben, für das er unfairweise herhalten sollte, nicht mit ansehen muss.