Salon 198

Saite gerissen? Schraube locker? Verstrahlt?

Leif Hommers – Psychatrie und psychiatrischer Alltag

So reden wir schon mal daher. Nicht nur Goethe hat sich selbst kokett in die Riege der Verrückten eingereiht. Manch einer, der sein persönliches Chaos legitimieren möchte, beruft sich allzu gern auf die vermeintliche Nähe von Genie und Wahnsinn. Begriffe wie Burnout, Schizophrenie und Depression gehen uns für unsere Befindlichkeiten locker von der Hand, und dass die Eltern sowieso schuld sind, namentlich die Mütter, ist ja klar… Nur wenn uns der Irrsinn in persönlich begegnet, etwa in der U-Bahn, mit Alufolie unter der Kapuze, Selbstgesprächen der dritten Art oder schlicht kompletter Zusammenbrüche, dann ist auch unsere Hilflosigkeit groß. Leif hat uns nahe gebracht, auf welchen Ebenen unsere Psyche ver-rücken kann und wo unser "normales" Rüstzeug bis hin zur Psychotherapie keine Chance mehr hat. Das Gehirn ist noch immer ein Mysterium, und die Lobby für psychisch Kranke ist nicht groß genug, um die Pharmaforschung wirklich zu "bewegen"… Doch Psychiater können oft helfen – mit guten Medikamenten und auch Behandlungsmethoden, die ihren schlechten Ruf längst verloren haben. Und zu Leif als Psychiater würde ich auf jeden Fall gehen.

Manche Leute halten jede Krankheit für "gesellschaftlich” bedingt oder wenigstens "sozialisationsbedingt", jede andere Sicht galt zeitweise als politisch unkorrekt. Vielleicht sollte man sich aber grundsätzlich weniger damit aufhalten, Schuldige zu suchen, sondern mehr Energie in Lösungen stecken. Auch für das, was in der Gesellschaft nicht rund läuft. Die Ursachen für Probleme sind oft nicht beeinflussbar, das ändert aber nichts daran, dass Lösungen gefunden werden müssen…Europa hat das sicher nötig. Genau wie Neukölln. Europa diskutieren wir am 9. September, Neukölln beim 200. Salon am 7. Oktober. Macht Euch fit!