Salon 212

Der mörderische Goethe

Paul Kohl – Der Goethe-Krimi: Goethes Leichen

Nach den Ausführungen von Paul Kohl müssen wir ernsthaft überlegen, ob wir Goethe als Sponsor behalten. Dass Goethe mit einem vergewaltigten und geschwängerten Gretchen im wahren Leben überhaupt nicht human war, sondern die arme Magd wegen Kindsmords köpfen ließ, ist ja bekannt. Dass er als Geheimrat keinerlei Bestrebung zeigte, die Morde an Weimarer Bürgern, die den Idealen der französischen Revolution anhingen, zu verfolgen, mag man der Angst vor revolutionärem "Terror" zuschreiben. Aber dass er auch einen florierenden Menschenhandel betrieb, indem er unterstützte , wie junge Männer aus ihren Familien gekidnappt und gegen Geld (!) nach Preußen verschachert wurde, um sodann im Sarg zurückzukehren – naja. Das künstlerische Interesse an den Themen ist ihm ja nicht abzusprechen: Er hat den Überfällen auf die Familien beigewohnt und sie gezeichnet…! ?! Aber die Sympathie für die Person geht da doch etwas zurück… Deutlicher Abzug von Karma-Punkten. Ich überlegs mir nochmal. Vielleicht nehmen wir für eine Weile doch lieber Karl Marx. Der hat mindestens als Stoffpuppe den nur virtuell anwesenden Goethe beim Salon scharf im Auge…und zu Neukölln passt er auch irgendwie besser.

Wir sind ja bemüht. Wir gucken uns das ganze Ding einfach mal von der preußischen Seite an. Ob wir Goethe seine Aktionen dann nachsehen, wird sich zeigen! Wir nehmen mal Friedrich den Großen, dann verstehen wir die Liaison mit Friedrich Wilhelm vielleicht besser. Der Referent passt zum Salon, jedenfalls ist die Kennenlern-Geschichte diesmal auch nicht wie sonst!