Salon 298

Ehrlich herrlich und herrlich ehrlich!

Prof. Eva Bamberg und Prof. Petra Klumb – Argumente zum Thema Gendern – die Bedeutung von Sprache

Ein echter Debattier-Salon eben! Goethe meinte, dass in hoch entwickelten Gesellschaften die Frauen notwendigerweise das Übergewicht gewännen. Beim Vorlesen des Zitats dachte ich sofort, dass man den armen Männern dann doch wenigstens ihren Plural lassen könnte. Zum Glück habe ich das nicht gesagt, denn nachdem Eva und Petra uns über Studien und Befunde zum Thema orientiert hatten, wurde hoch engagiert diskutiert. Viele gute Denkanstöße: Ein kleiner und wichtiger Beitrag zu einer vielleicht gerechteren Welt versus Spaltungspotenzial und Kulturkampf-Atmosphäre, die Arroganz derjenigen, die meinen über das entwickeltere Bewusstsein zu verfügen versus die dummen und unqualifizierten Attacken der Populisten. Bewusstmachung durch sprachliche Stolpersteine versus Kultivierung von Diskriminierungs-Mindsets … Konsens war, dass Sprache sich lebendig verändert und man sich schnell an Neues gewöhnen kann, dass Gendern aber auch unerwünschte Nebenwirkungen haben kann, und dass verordnete Bevormundung, egal von welcher Seite aus, nicht ok ist. Auch darüber, dass es gerade im Hinblick auf Ungleichheit wahrlich wichtigere Themen gibt, war man (frau?) sich einig. Anklang fand auch der lösungsorientierte und entspannende Gedanke, dass man vielleicht von allgemeinem und ideologisch aufgeheiztem "pro und contra" wegkommen und eher fragen sollte, wozu und in welchem Kontext Gendern nützlich ist und wo eher nicht. Was etwa bei einer Stellenausschreibung Sinn macht, muss vielleicht nicht immer angewendet werden. Kinder, befand Leo (12) zudem, sollten mit Ideologien nicht behelligt werden. Das ist das Tolle an solchen Salons: Das Nachdenken geht weiter, vor allem das "Feintuning": Stunden später wurde in der Küche thematisiert, dass das alte Gripstheater-Lied "Wer sagt, dass Mädchen dümmer sind, der spinnt" vor 100 Jahren sicher noch ein konstruktiver Beitrag gewesen wäre. Aber heute? Over! Wenn ein dummer Gedanke endlich aus der Welt geschafft ist, sollte man ihn doch nicht wiederbeleben, auch nicht durch Negation. Genau dieses Framing erhält ja problematische mindsets aufrecht - wer Diskriminierung unterstellt, erzeugt sie eben leider auch. Lösungsorientierung beseitigt keine Dilemmata, hilft aber doch bei deren Überwindung…und entspannt eben.