Salon 173

Bachs Erben

Petr Matejak, Zheeyoung Moon – Konzert mit offenem Ausgang

Fast hätte der Abend mit Petr Matejak gar nicht stattfinden können, aber dann hat er doch Zheeyoung Moon gefunden, um uns gemeinsam mit ihr am Flügel Wieniawskis schwieriges, virtuoses Violinkonzert zu spielen! So ein Glück…. und was für ein toller Abend! Und die Zugaben… unglaublich.

Der Flügel war verstimmt – aber wenn jemand so drauf spielt wie Zheeyoung Moon, dann vergisst man das einfach. Und wenn jemand so geigt wie Petr, dann ist das der direkte Weg ins Herz. Nebenbei haben wir an dem Abend noch gelernt, was Konzertmeister und Korrepetitoren so machen müssen. Was "Stimmen einrichten" ist, und "Striche machen"…. Wer nicht fiedelt, weiß das ja nicht unbedingt. Für mich war das ein ganz besonderer Abend: Der "Urgrund" des Salons (Freunde erzählen von ihrem Beruf) in Kombination mit dem, wozu er sich in all den Jahren entwickelt hat (die Wunder im Wohnzimmer…). Danke, liebe Zheeyoung und lieber Petr!

Petr hat uns auch Bach vorgespielt. Als er das zum ersten Mal getan hat, hatten wir Tränen in den Augen – weil er so gespielt hat wie er gespielt hat. Dann hat er Bach für die Miss Wahl in Tschechien geprobt – in der Küche, während Laura die Tomaten schnippelte. Das fanden wir sehr lustig, denn die Kombination der schönen Missies mit Petr als einsamem Bach- Frontmann im Fernsehen war mindestens so seltsam wie die mit den Tomaten in der Küche. Ich glaube, Bach hätte das gefallen, denn bei ihm zu Hause muss es auch turbulent zugegangen sein. Er hatte nämlich 20 Kinder, von denen aber nur 10 überlebten. Doch in Wahrheit hatte er wohl noch viel, viel mehr Kinder, nämlich uns. Denn was wären wir alle, die wir Musik so lieben, ohne ihn? Hätten wir so einen Salon mit Petr und Zheeyoung gehabt ohne ihn? Who knows…. Fast jeder kennt eine Melodie von ihm, manche haben ihn sogar als Klingelton auf dem Handy.

Aber wer war er? Früh verwaist, mit 15 auf Reisen gegangen… der Mensch Bach ist für viele eine große Unbekannte. War er bestimmt auch für Jens Johler – bevor er sein Buch "Die Stimmung der Welt" geschrieben hat.