Salon 252

Touristen

Tamara Schwieger und Uwe – Iran, das sowohl- als- auch- Land der kurzen Wege, ein Reisebericht

sind wir immer, wenn wir woanders zu Besuch sind. Tamara hat uns den Iran auf ihre unnachahmliche Weise nähergebracht – wie vordem schon andere Länder. Ein subjektiver, wunderbarer Blick auf freundliche, gelassene Menschen und eine beeindruckende Kultur. Überraschend für sie und uns, wie vieles wohl ganz anders, zum Teil viel lockerer war als erwartet im Lande des „Sowohl als auch“. Ungeahndete Regelbrüche sind die Regel. Unstrittig, dass sich das in unberechenbarer Weise gegen einen wenden kann, wenn man sich tatsächlich kritisch exponiert. Der „Normalverbraucher“ wird sich aber einrichten und betonen, dass vieles möglich ist, dass „Modernität“, Sicherheit, Freiheit, Gleichberechtigung sich auf hohem Niveau bewegen… Gewiss kann man also auch einen totalitären Staat als Tourist sehr angenehm erleben – und wir alle sehen, was wir sehen wollen. Es tut aber gut, den Blick einmal auf die Schönheit, die Menschlichkeit, die Kultur richten zu dürfen, die Normalität des Alltagslebens , die sich neben, hinter oder trotz (einige würden vielleicht sogar sagen: wegen) der politischen Kulisse entfaltet. Ob trotz oder wegen, hinter oder neben – wir wissen es nicht. Denn über ein „Land“ kann man nichts Allgemeines aussagen , meinte der weitgereiste Weltenbürger Heinrich – zu differenziert die Menschen, die Kultur, die Blickwinkel innen und außen .

Was Gastfreundschaft angeht, können wir uns viel abschauen. Aber Tarof wird im Salon nicht eingeführt, das ist zu umständlich! Natürlich könnt Ihr erst mal noch drei Mal nein sagen, wenn ich Euch frage, ob Ihr zum nächsten Salon kommen möchtet. Aber ich würde mich mehr freuen, wenn Ihr gleich ja sagt! Und wenn Ihr fragt, soll ich was zu Essen mitbringen, sage ich auf keinen Fall drei Mal nein, bevor ich ja sage. Wir sind in Neukölln !

Ich habe deshalb auch sofort ja und nicht dreimal nein gesagt, als Ernst (Viola, Konzerthaus) angeboten hat, mit Alexandra Kehrle (Soloklarinettistin im Konzerthaus) und Florian von Radowitz (Pianist) ein Konzert im Salon zu spielen. Ich gehe davon aus, das war richtig, wer weiß, womöglich wären sie sonst nicht gekommen! Solche Angebote auszuschlagen käme bei uns ja einer Beleidigung gleich. Ich hoffe ich hatte da das richtige Tarofgespür … und schreibe jetzt abgekürzt gleich vier Mal: ja kommt mit Freunden, kommt, kommt, kommt, damit Ihr Euch nicht mehr traut, wegzubleiben . Notfalls halt ohne Essen, wenn Ihr nur Beton-Kuchen könnt. Dann müsst Ihr aber drei Mal fragen, bevor Ihr rein dürft!